Inhalt
Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderung und Studium e.V.
Vorstellung
Ein Studium behinderter und chronisch kranker Menschen ist vielerorts mit erheblichem organisatorischen und finanziellen Mehraufwand verbunden. Grund hierfür ist die noch immer unzureichende Situation an den Hochschulen. Vor diesem Hintergrund wurde 1996 die Bundesarbeitsgemeinschaft behinderter / chronisch kranker und nichtbehinderter Studierender und AbsolventInnen e.V. (BAG e.V.) gegründet, die sich 2004 in “BAG Behinderung und Studium e.V.” umbenannt hat.
Im Gegensatz zu den beiden Vereinen Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS), gegründet 1916, und Bundesarbeitsgemeinschaft hörbehinderter StudentInnen und AbsolventInnen (BHSA), gegründet 1986 arbeitet die BAG e.V. schädigungsübergreifend, integriert somit alle behinderten und chronisch kranken Studierenden und AbsolventInnen unabhängig von ihrer Beeinträchtigung oder Erkrankung. Diese Form der Zusammenarbeit aller behinderten und chronisch kranken Studierenden in einer Organisation ist in der Bundesrepublik Deutschland einmalig. Es besteht ein enger und direkter Austausch mit den behinderten und chronisch kranken Studierenden und ihren Gruppen vor Ort sowie in behindertenpolitisch wichtigen Bereichen mit dem DVBS, der BHSA und der Beratungs- und Informationsstelle “Studium und Behinderung” des Deutschen Studentenwerkes, in dessen Beirat die BAG e.V. beratendes Mitglied ist.
Ziele des Vereins sind
- die Koordination der Arbeit von Selbsthilfegruppen behinderter / chronisch kranker und nichtbehinderter Studierender, Interessengemeinschaften und Behindertenreferaten.
- die Verbesserung der Situation Behinderter und chronisch Kranker im Studium und Beruf.
- die Vertretung der Interessen Behinderter und chronisch Kranker bei privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, insbesondere im Bereich der Gesetzgebung.
- die Unterstützung von Arbeitsgemeinschaften, Vereinen und Projekten, die die Verbesserung der Studienbedingungen behinderter und chronisch kranker Studierender sowie deren Eingliederung vorantreiben.
Der Verein arbeitet parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Er ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt.
Arbeitsschwerpunkte
- Die BAG e.V. ist Projektträgerin des bundesweiten Netzwerkes der Selbsthilfegruppen und Interessengemeinschaften behinderter und chronisch kranker Studierender sowie studentischen Behindertenreferate (Bundesweites IbS-Netzwerk). Die an einer bundesweiten Zusammenarbeit interessierten Gruppen und Einzelpersonen bilden das Netzwerk. Sie erhalten alle für ihre Arbeit relevanten Informationen und können aktiv mitarbeiten. Zur Zeit sind 80 Hochschulstandorte eingebunden. Die Beteiligung am Netzwerk ist kostenfrei, es entstehen auch keine Hemmschwellen durch Beitrittserklärungen, Mitgliedsbeiträge etc. Der regelmäßige Kontakt und Austausch zwischen den Beteiligten erfolgt über die Ausrichtung von und der Teilnahme an Seminaren, bundesweiten Erfahrungsaustauschen und Wochenend-Workshops, über die Mitarbeit in kleinen themenbezogenen Arbeitsgruppen zwischen den bundesweiten Treffen sowie durch telefonische Kontakte, eine Mailing-Liste und Info-Post.
- Die Ausrichtung des Messestandes “Behinderung und Studium” auf der RehaCare International seit 1997 in Düsseldorf, an dessen Planungen, Organisation und Durchführung (Standbesetzung) sich eine große Anzahl von Selbsthilfegruppen und Einzelpersonen beteiligt hat, ist ein positives Beispiel für die Arbeit der BAG e.V. als Projektträgerin, sowie für die Erfolge der Vernetzung der Gruppen an den verschiedenen Hochschulstandorten. Ziele der Beteiligung an Europas größter Messe für Menschen mit Behinderungen sind die Kontaktaufnahme mit Studierenden, die Information von Studieninteressierten, interessierten Eltern und Multiplikator, wie z.B. Mitarbeitern von Reha-Einrichtungen, Berater der Arbeitsämter und Behindertenbeauftragten der Hochschulen sowie die Bekanntmachung der Ziele der BAG e.V. Bei den bisherigen Messebeteiligungen wurden diese Ziele mehr als zufriedenstellend erreicht. Insgesamt konnten sich die BAG e.V. und das Bundesweite IbS-Netzwerk einer breiten (Fach-) Öffentlichkeit vorstellen und so die Ziele und Arbeitsinhalte vermitteln sowie den Bekanntheitsgrad erhöhen.
- Innerhalb der BAG e.V. und des Bundesweiten IbS-Netzwerkes hat sich der inhaltliche Schwerpunkt “Bioethik- und Sterbehilfediskussion an den bundesdeutschen Hochschulen” etabliert. Seitens der beteiligten Studierenden wurde im Jahr 2000 der Wunsch geäußert, die Diskussion und kritische Analyse dieses Themas auszuweiten und die bundesweite Arbeitsgruppe “Bioethik-kritischer Studierender und AbsolventInnen” zu gründen. Die BAG e.V. ist auch hier Projektträgerin für die geplanten Wochenend-Workshops dieser noch jungen bundesweiten Arbeitsgemeinschaft.
- Die bundesweite Arbeitsgemeinschaft “Sozialhilfe” der Interessengemeinschaften behinderter / chronisch kranker und nichtbehinderter Studierender arbeitet schwerpunktmäßig zu Problemen der Studienfinanzierung. Für Studierende mit Beeinträchtigungen und chronischen Erkrankungen entstehen behinderungsbedingte Mehrkosten, die durch das BAföG nicht gedeckt sind (Kosten für Mobilität, StudienhelferInnen, …). Viele Studierende sind auf Leistungen des BSHG angewiesen, sowohl im Rahmen der Eingliederungshilfe als auch für den Lebensunterhalt (z.B. Miethöhe für RollstuhlfahrerInnen). Die Sicherung dieser Kosten ist von existentieller Wichtigkeit für ein Studium. Es tauchen aber immer wieder Unsicherheiten bei Anträgen und Schwierigkeiten bei der Bewilligung auf. Die zu dieser Thematik durchgeführten Erfahrungsaustausche der letzten Jahre zeigten eine höchst unterschiedliche Bewilligungspraxis in einzelnen Bundesländern und für spezielle Bedarfe.
Seit einigen Jahren arbeitet die BAG Sozialhilfe verstärkt zu aktuellen Gesetzen, die behinderte und chronisch kranken Studierenden tangieren, wobei Mitglieder bereits mehrmals an parlamentarischen Anhörungsverfahren beteiligt waren. In den vergangenen zwei Jahren waren dies das Sozialgesetzbuch IX, das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz und die Gleichstellungsgesetze auf Länderebene. Aktuelles Thema ist die Einführung von Studiengebühren.
