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Gilt Bologna auch für uns?
- Behinderte und chronisch kranke Studierende stoßen in Europa immer noch an Grenzen -
Oft stehen Studieninteressierte mit Behinderung oder chronischer Erkrankung vor „verschlossenen Hochschultüren“. Selbst diejenigen, die sich den Zugang verschafft haben, sehen sich mit einer Vielfalt von Barrieren konfrontiert. Was machen sehbehinderte oder blinde Studierende, wenn die Lehrenden nur an die Tafel schreiben? Was machen Rollstuhlfahrer/innen, wenn die Seminarräume nur über Treppenstufen zu erreichen sind? Was machen hörgeschädigte Studierende, die in einer Flut von Geräuschen das Wesentliche nicht erfassen können? Durch fehlende geeignete Rahmenbedingungen sind die betroffenen Studierenden häufig auf fremde Hilfe angewiesen. Diese Hilfen sind europaweit höchst unterschiedlich zu beantragen und verfügbar. Während bei den Bildungsabschlüssen im Bologna-Prozess eine Vereinheitlichung der Studienabschlüsse angestrebt wird, wird die [Umsetzung der] Vereinheitlichung in Bezug auf technische, organisatorische und didaktische Barrierefreiheit vernachlässigt.
Im Rahmen des Workshops der BAG Behinderung und Studium vom 19. bis 22. August 2010 in Lutherstadt-Wittenberg trafen sich betroffene Studierende aus Hochschulen des gesamten Bundesgebietes zum Erfahrungsaustausch. Dabei erarbeiteten sie Forderungen für die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Hochschulen in Europa. In Übereinstimmung mit der Behindertenrechtskonvention (BRK) wird „Die eine Hochschule für Alle“ gefordert.
Um dem völkerrechtlichen Anspruch aus der UN-Konvention gerecht zu werden, sind entsprechende Anstrengungen der Hochschulen erforderlich: Nicht die betroffenen Studierenden müssen sich den Gegebenheiten an den Hochschulen anpassen, sondern umgekehrt. Welche Bedingungen an den Hochschulen in Europa vorzufinden sind, kann im Higher Education Accessibility Guide (HEAG) unter
www.european-agency.org/agency-projects/heag
nachgelesen werden. Für den HEAG hatte die BAG-Behinderung und Studium eine Umfrage an 300 deutschen Hochschulen zur Erfassung der Rahmenbedingungen durchgeführt. Bisher haben 37 Hochschulen die Information zur Verfügung gestellt - Die Rückmeldung weiterer Hochschulen ist im Interesse der Studierenden dringend erforderlich.
