Euro, Pfund, Dollar… - Stipendien, Auslands-BAföG und andere finanzielle Aspekte eines Auslandsstudiums von Sven Drebes

Ein wichtiger Punkt bei der Planung und Vorbereitung eines studienbedingten Auslandsaufenthalts stellt die Finanzierung dar. Für behinderte Studierende, besonders für solche mit erheblichen behinderungsbedingten finanziellen Mehrbedarf, stellt dieses Thema zumindest psychologisch beziehungsweise in der eigenen Einschätzung ein wesentliches, wenn nicht gar das Haupthin­dernis dar.
Hochschulen, die den individuellen Anforderungen, zum Beispiel an die Barrierefreiheit, entsprechen, lassen sich, je nach Land, noch einiger­maßen gut finden. Ist man aber auf Assistenz angewiesen, der wahrschein­lich häufigste Grund für einen überdurchschnittlichen Bedarf an finanziellen Mitteln, stellen sich früher oder später zwei Fragen:

  1. Wie organisiere ich die Assistenz?
  2. Wie finanziere ich sie?

Mit der zweiten Frage soll sich der zweite Teil dieses Beitrags befassen, wo­bei es auch um die Finanzierung andersgearteten behinderungsbedingten Mehrbedarfs gehen wird.
Zuvor soll es aber um das „tägliche Brot“ gehen.

Das „tägliche Brot”

Da auch behinderte und chronisch kranke Studierende die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse finanzieren müssen, die jeder andere Mensch, somit auch jeder andere Studierende, mehr oder weniger hat, soll es hier zu­nächst um die „handelsüblichen“ Finanzierungsmöglichkeiten gehen.

Auslands-BAföG

Wer sein Studium im Inland mit BAföG finanziert, kann in der Regel auch im Ausland darauf zählen. Die gute Nachricht dabei ist, dass bei der Förderung im Ausland die Einkommensfreibeträge höher sind, man also tendenziell mehr Geld bekommt.
Zudem bekommen dadurch auch Studierende in den Genuss von BAföG, die im Inland keine Förderung bekommen. Zum norma­len Förderbetrag gibt es einen Auslandszuschlag, der je nach Land schwankt. Von einigen Ausnahmen, z.B. Japan, abgesehen, liegen diese Zuschläge zwischen 120 und 300 DM. Im Gegensatz zum BAföG im Inland werden die Anträge nicht vom „Amt für Ausbildungsförderung“ am Ort der eigenen Hoch­schule bearbeitet, vielmehr werden die Anträge aller Studierender mit glei­chem Zielland oder gleicher Zielregion von einem Amt bearbeitet. Da mir das Thema „BAföG“ recht kurzfristig übertragen wurde, bitte ich um Verständnis für die Knappheit der Ausführungen.

Stipendien

Wer sein Studium durch ein Stipendium einer der „großen“ Stiftungen, der Parteien, der Kirchen oder des DGB, finanziert, bekommt diese Förderung ebenfalls für einen Auslandsaufenthalt von bis zu einem Jahr. Die Beträge bewegen sich dabei ungefähr in Höhe des BAföG. Bedingung für eine Förde­rung ist neben einer Einkommens- und Vermögenssituation, die in etwa den BAföG-Kriterien entspricht, „überdurchschnittliche Begabung“ und „gesell­schaftliches Engagement“. Was darunter zu verstehen ist, wird nicht näher ausgeführt. Diese Stiftungen gewähren allerdings keine „reinen„ Auslands­stipendien.

Dagegen gewährt die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ – einer von Bund, Ländern, Kommunen und der Wirtschaft getragenen weltanschaulich neutralen Stiftung – in begrenztem Umfang auch „reine“ Auslandsstipendien. Die Förderbedingungen sind ähnlich wie bei den anderen „großen“ Stiftun­gen, legt aber mehr Wert auf die „besondere Begabung“. Der Haken an die­ser Stiftung ist, dass man sich – von einigen Sonderprogrammen abgesehen – nicht selbst um ein Stipendium bewerben kann, sondern von einem Profes­sor bzw. einer Professorin vorgeschlagen werden muss.

Alle „großen“ Stiftung haben an den Hochschulen sogenannte Vertrauens­dozenten, die oft den Vorlesungsverzeichnissen zu entnehmen sind.
Weiterhin finden sich dort auch weitere lokale Stiftungen, die einen Aus­landsaufenthalt finanziell unterstützen, sich dabei aber z.T. auf bestimmte Fachrichtungen konzentrieren.
Zudem gibt es auch einige Stiftungen, die bundesweit Stipendien an Studie­rende bestimmter Fachrichtungen vergeben.

Auslandsstipendien

Nun zu den Organisationen, die sich auf die Vergabe von Auslandsstipen­dien spezialisiert haben.
Neben einigen hoch spezialisierten Organisationen wie „The British Council“, die Geisteswissenschaftler „im fortgeschrittenen Stadium“ (des Studiums) bei Aufenthalten im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland fördert, sind hier vor allem die Fulbright-Kom­mission und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) zu nennen.

Die Fulbright-Kommission fördert deutsche Studierende, die bereits minde­stens 5 Semester, davon mindestens 2 in Deutschland, studiert haben und für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr in den USA studieren wollen. Dabei stehen allerdings nicht alle amerikanischen Hochschulen zur Wahl. Über­nommen werden meist die Studiengebühren und Reisekosten, in einigen Fällen auch ein Zuschuss zum Lebensunterhalt.

Während Fulbright auf ein Land spezialisiert ist, schließt der DAAD genau ein Land aus. Österreichfans müssen sich einen anderen Sponsor suchen. Wei­ter gibt es aber nur die Bedingung, dass man an eine anerkannte Hochschule gehen muss, ob diese in Kyoto, Kingston oder Kinshasa liegt, spielt aber keine Rolle. Bewerber müssen mindestens im 3. Semester sein und – wenn in der Studienordnung vorgesehen – die Zwischenprüfung bzw. das Vordi­plom bestanden haben. Gefördert werden Auslandsaufenthalte bis zu einem Jahr, ausnahmsweise auch länger. Die Bewerber werden nach ihrem bisheri­gen Studienverlauf und den Plänen für den Auslandsaufenthalt ausgewählt. Übernommen werden Studiengebühren und Reisekosten. Ferner erhält man monatlich bis zu 600 DM zum Lebensunterhalt, wobei davon ausgegangen wird, dass die Studierenden einen Teil des Lebensunterhalts aus eigenen Mitteln bestritten wird. BaföG-Empfänger erhalten kein Vollstipendium.
Der DAAD vermittelt auch Stipendien anderer Organisationen und ausländi­scher Regierungen, wobei auf den beim DAAD üblichen Betrag aufgestockt wird.

ERASMUS

Die wahrscheinlich bekannteste Möglichkeit einen Auslandsaufenthalt zu organisieren und zu finanzieren stellt das ERASMUS-Programm, ein Teil des SOKRATES-Programms, der Generaldirektion für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission dar.
Ziel ist die Förderung des Austauschs von Stu­dierenden und Dozenten zwischen den Teilnehmerstaaten.
Diese sind:

Dabei muss entweder die Ausgangs- oder die Zielhochschule innerhalb der Europäischen Union sein. Dabei muss jedoch ein Abkommen zwischen der Ausgangs- und der Zielhochschule bestehen. Unter „Hochschulen“ werden in bezug auf Deutschland auch Fachhochschulen verstanden. Die Dauer der geförderten Aufenthalte liegt zwischen drei und zwölf Monaten. Die Bewerber müssen „ausreichende“ Kenntnisse in der Lehrsprache der Zielhochschule haben, wobei die Anforderungen bei Englisch und Französisch höher sind als beispielsweise bei Finnisch oder Bulgarisch.
In Ausnahmefällen, bei Spra­chen, die im Ausgangsland selten gelehrt werden, werden auch vorberei­tende Sprachkurse unterstützt. Der Auslandsaufenthalt muss Teil des Stu­diums sein.

Die Stipendien sollen einen Teil der Zusatzkosten decken, die durch ein Auslandsstudium entstehen. Sie sollten nicht dazu benutzt werden, Kosten zu decken, die dem Studierenden normalerweise auch an der Heimathochschule entstehen würd= en. Die Stipendien fallen von Land zu Land sehr unterschied­lich aus. Der Zuschuss an deutsche Studierende beträgt ca. 100,- bis 400,- DM pro Monat. Zusätzlich werden die Studiengebühren übernommen. Das Attraktive an diesem Programm ist die besondere Betreuung am Zielort. Die Teilnahme am Programm muss beim Akademischen Auslandsamt der Aus­gangshochschule gestellt werden.