Inhalt
Mein Auslandsjahr am Institut d´Etudes Politques in Grenoble von Dagmar Patzschke
Vorbereitung, Finanzierung
Zunächst bedeutet so ein Auslandsjahr eine Menge Vorbereitung, insbesondere wenn man wie ich eine Gehbehinderung verbunden mit einer Spastik hat. Ich benötige ein Zimmer, das ohne Treppen erreichbar ist und einen Studienhelfer, der mir bei diversen Dingen wie z.B. ausfüllen von Formularen, kopieren, Bücher tragen etc. behilflich ist.
Das Sozialamt zahlt diesen Studienhelfer, sofern keine „unzumutbaren Mehrkosten“ auftreten. Doch nun zur Vorbereitung: es empfiehlt sich, sich sehr früh um Finanzierung und Unterkunft zu kümmern. Ich habe mich im Oktober 1999 um ein DAAD-Stipendium beworben (Bewerbungsfristen beachten). Der DAAD vergibt Stipendien nach Leistungskriterien. Im Februar wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und habe das Stipendium letztendlich erhalten. Wobei ich sagen muss, das ich ein Stipendium der französischen Regierung erhalten habe. Bis zu Studienbeginn im Ausland muss die Zwischenprüfung abgeschlossen sein.
Wer Bafög bezieht kann dementsprechend auch Auslandsbafög beantragen.
Wohnen
Anschließend habe ich mich um ein Zimmer gekümmert. Für die Zimmervergabe ist der CROUS (das Centre regional des oeuvres universitaires et scolaires) zuständig. In einem Brief präzisierte ich meine Wünsche. Anschließend musste ich im Mai 2000 zu einer Untersuchung nach Grenoble fliegen, um herauszufinden, welches Zimmer für mich geeignet sei / welche Hilfe ich brauche. Ich muss dazu sagen, das es in Grenoble ein extra Foyer für Schwerbehinderte gibt, das sogenannte „Foyer Prélude“. Die Körperbehinderten Studentinnen und Studenten wohnen im gleichen Wohnheim wie die Nichtbehinderten Studentinnen und Studenten. Allerdings sind die Zimmer des Foyer Rollstuhlgerecht (ca. 50 qm, Bad mit Dusche im Zimmer) und es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Küche. Vierzehn Angestellte kümmern sich um Pflege und Haushalt. Da ich nicht im Foyer gewohnt habe, kann ich leider nicht sagen, wie dies zu finanzieren ist. Dies müsste mit dem Foyer selbst abgesprochen werden. Ich hatte ein Zimmer im gleichen Wohnheim, im dritten Stock (mit Aufzug) direkt an der Tramstation.
Die Mietkosten lagen bei ca. 1500 F, allerdings erhält man auch als Ausländischer Student eine Mietkostenunterstützung (Allocations von der CAF, der Caisse familiale), diese beträgt je nach Mietkosten fast ein Drittel oder die Hälfte der Miete.
Auslandskrankenschein, Studienhelfer
Zudem braucht man vor der Abreise den Auslandskrankenschein E 128 (bei der zuständigen Krankenkasse beantragen). Auf dem Campus gibt es ein medizinisches Zentrum, die aber nur zur Vorbeugung von Krankheiten zuständig sind. D.h. es gibt z.B. keinen Zahnarzt und auch keine Krankengymnastik. Allerdings kann man bei „kleineren“ Krankheiten, z.B. Erkältung etc. dort ein Rezept für Medikamente bekommen. Es empfiehlt sich zudem einen Attest von einem deutschen Arzt über das eigene Krankheitsbild/die Behinderung mitzunehmen. Weiterhin wäre zu sagen, das der SAUH (service d´accueil universitaire pour les étudiants handicapés) sich auch um Hilfe und auch um einen französischen Behindertenausweis kümmert (deutschen Behindertenausweis kopieren und übersetzen). Über den SAUH habe ich meine Studienhelferin bekommen. Meistens sind dies Studentinnen/Studenten die man sich vorher selbst an der Uni sucht. Dies war sehr praktisch, da meine Studienhelferin dasselbe studierte wie ich und sie somit immer in der Nähe war. Zudem ist eine Mutuelle, eine zusätzliche Krankenversicherung wichtig, da die gesetzliche meistens nur 70% zurückbezahlt. Soweit ich mich erinnern kann betragen die Kosten ca. 400 bis 500 F für die Mutuelle. Da ich die Mutuelle bezahlt bekommen habe, empfiehlt es sich im Falle eines Stipendiums nachzufragen, ob die Kosten übernommen werden. (Mutuelle: SMERRA, Tram ligne B, arrêt „Grand Sablon“)
Bürokratisches, Bank
Bei der Ankunft in Grenoble sind noch einige andere Sachen zu erledigen. Ich brauchte eine „Carte de séjour“, die man aber auch nicht unbedingt braucht (nachfragen), zu beantragen ist diese bei der Préfecture (Place Verdun, Tram ligne A, arrêt Verdun/Préfecture; zum ÖPNV gleich näheres).
Meistens muss man dort lange Wartezeiten in kauf nehmen, aber ich bin sofort zum Empfang gegangen und habe gesagt, dass ich nicht so lange warten kann und kam sofort dran.
Anschließend ist es je nach Finanzierung wichtig ein Konto zu eröffnen. Ich konnte beispielsweise meine Miete nur mit einem Scheck bezahlen.
Voraussetzungen für ein Studium am IEP
Voraussetzung sind sechs Semester Studium und eine abgeschlossene Zwischenprüfung. Am IEP ist dann der Erwerb des „Certificat d´Etudes politiques“ möglich (Certificat für die ausländischen Studentinnen und Studenten).
Einschreibung
Die Einschreibung an der Uni erfolgte in meinem Falle zum Ende einer zweiwöchigen Einführungswoche direkt an der Uni selbst (am Institut d´Etudes Politiques) (Achtung: die Einführungswoche kostet 350 Euro, als Erasmusstudent werden die Kosten übernommen, auch bei einem Stipendium, in diesem Falle aber in jedem Fall vorher Kostenübernahme beantragen), bei anderen Studienfächern kenne ich mich nicht aus, am besten den service des relations internationales im jeweiligen Fachbereich ansprechen. Die Studiengebühren wurden ebenfalls übernommen. Falls man kein Stipendium hat: auf jeden Fall gleichzeitig mit der Bewerbung um ein Stipendium sich um einen ERASMUS-Platz (Austauschplatz bewerben; Informationen dazu gibt es im Akademischen Auslandsamt der jeweiligen Heimatuniversität; dabei ist darauf zu achten, ob die eigene Universität Abkommen mit der Universität in Grenoble hat; Falls nicht muss man sich um ein Stipendium bewerben oder auch die Kosten für die Einschreibung/Studiengebühren selbst tragen und nachfragen ob die jeweilige Universität einen Platz frei hat).
Das IEP
Am Institut d´Etudes Politiques (IEP) waren beispielsweise behinderungsbedingte Zeitverlängerungen bei Klausuren kein Problem, es ist wichtig, dies vorher mit dem Prof abzuklären. Auch wer sonstiges benötigt (zusätzlichen Tisch etc.) sollte dies vorher abklären. Das IEP ist zudem ebenerdig zugänglich. Fast alle Vorlesungen und Seminare finden im Erdgeschoss statt. Die Bibliothek im ersten Stock, sowie die anderen Räume sind mit einem Aufzug erreichbar. Wie es in den anderen Gebäuden aussieht, weiß ich allerdings nicht.
Die Mensen dagegen sind leider nicht behindertengerecht eingerichtet, soweit ich weiß verfügt keine einzige über einen Aufzug und keine einzige ist ebenerdig zugänglich. Es gibt allerdings einige Cafeterien die im Erdgeschoss untergebracht sind.
ÖPNV
Weiterhin wäre zu sagen das Grenoble ansonsten sehr behindertengerecht ist und für behinderte Studentinnen und Studenten eine der am besten zugänglichen Unis darstellt, insbesondere durch das Foyer und den ÖPNV. Der öffentliche Personen Nahverkehr ist ebenfalls ideal. Grenoble verfügt über zwei Straßenbahnlinien, die ebenerdig zugänglich sind. Von meinem Studentenwohnheim bis zur Uni waren es zwei Stationen, bis in die Stadt fünf; diese Linie (B) fährt ebenfalls direkt zum Bahnhof. Die Busse sind leider nicht zugänglich, da dort Stufen sind. Ich habe aber die Busse nicht so oft benutzen müssen. Das Studententicket für einen Monat kostet 159 F.
Nicht weit vom Campus entfernt sind ein Lidl und ein Géant, in denen man einkaufen kann.
Wichtige Dokumente
In den ersten Tagen empfiehlt es sich folgende Dokumente bei sich zu haben:
Préfecture
- internationale Geburtsurkunde (beim Standesamt des Geburtsortes beantragen)
- bail (Mietvertrag)
- E 128
- Personalausweis
- 3 Passfotos
- Einschreibebestätigung (Bestätigung von der Uni, das man für das folgende Jahr eingeschrieben ist; zu bekommen beim service des relations internationales)
Bank
- Personalausweis
- Mietvertrag
Einschreibung an der Uni
- Passfotos
- E 128
Es empfiehlt sich immer mehrere Passfotos bei sich zu haben, man braucht ständig welche.
Weitere Dokumente
- evtl. Übersetzung des Zwischenprüfungszeugnisses / des Vordiploms
- evtl. Übersetzung der Scheine
bei solchen Übersetzungen das Prüfungsamt um Hilfe bitten.
Ansonsten kann ich nur sagen, das es ein phantastisches Jahr war und man sich keineswegs durch die Vorbereitungen abschrecken lassen sollte. Es lohnt sich auf jeden Fall ein Jahr im Ausland zu verbringen. Vor allem auch wegen der Sprachkenntnisse, der Leute und dem Land. Es ist eine völlig andere Art und Weise Menschen und ihre Kultur kennen zu lernen.
Nützliche Adressen
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Kennedyallee 50
53175 Bonn-Bad Godesberg
Internet: www.daad.de
CROUS (Centre regional des ouvres universitaires et scolaires)
5, rue d´Arsonval
BP 187
38019 Grenoble cedex
Tel.: 0033 (0) 476 57 44 00
SERVICE d´ACCUEIL UNIVERSITAIRE DES ETUDIANTS HANDICAPÉS (SAUH)
Résidence les Taillées
Domaine Universitaire
271, rue de la Houille Blanche
38406 St. Martin d´Hères cedex
Tel. 0033 (0) 476 59 55 76
Fax: 0033 (0) 476 55 59 69
